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Gebrauchslyrik zum Thema Zeit

 

Gedichte für Gottesdienste, Meditationen und Informationen zu den Themen Zeit, Zeitrechnung, Zeitmessung, Geschichte der Zeit, Neubeginn, Jahreswechsel, Neujahr, Zukunft. Alle Texte wurden von Frank Maibaum für das Zeitbuch geschrieben. Da stehen diese lyrischen Texte im Zusammenhang mit Informationen zum Thema Zeit - Sie ergänzen Informativen Texte und in diesem Zusammenhang sind sie zu verstehen. © Beachten Sie das Urheberrecht.

 

In die Sterne schauen

 

Auch ich könnte mal wieder,
in die weite, sternenklare Nacht schauen,
um Unendlichkeit zu erahnen 
und Ewigkeit zu verspüren.

Ich könnte mal wieder,
die Sterne zählen,
fragend, wieviel Zukunft bevorsteht,
wieviel Segen sein wird,
wieviel Hoffnung ich haben darf.

 

Sternenhimmel Galaxie

 

Ich könnte mal wieder
zu den Sternen schauen,
nicht, um sie zu deuten,
aber um zu hören,
welche Antwort
aus der Stille
zu mir dringt.

 

Ich könnte mal wieder
in die Sterne schauen
und mir zurufen lassen:

 

Der Segen,
der über der ewigen Vergangenheit
und unendlichen Zukunft liegt,
gilt auch für dich.”

Bild: pixabay beate bachman

 

Da steht das Gedicht im Zusammenhang: In die Sterne schauen

 

 

 

Aberglaube

 

Keiner findet es seltsam,

dass du die schwarze Katze fürchtest,
dass du mit lauten Knallern Dämonen vertreibst

 

Keiner lacht dich aus,

dass der Schornsteinfeger deinen Tag verändert,
dass das vierblättrige Kleeblatt dir neue Hoffnung macht.

Man hofft mit dir.

 

Dass du deinem Talisman vertraust,
dass du ohne dein Maskottchen nicht leben kannst.

Man versteht das gut,

dass die 13 dir Unglück bringt,
dass in den Sternen dein Schicksal steht.

 

Man freut sich,

dass du einen Glauben hast,
du darfst ihn gerne mitnehmen in eine neue Zeit.

 

Doch, wie seltsam, wenn du hoffst,

dass ein gutes Wort heilende Wirkung hat,
dass freundliche Gedanken verändernde Kraft besitzen,
dass eine Berührung aufleben lässt.

Man schaut dich zweifelnd an.

 

Dass der Segen des allgegenwärtigen Gottes alles Gute bewirkt,
dass der Mann aus Nazareth neue Zukunft zeigt.

Man findet dich seltsam.

 

Dass die Kraft, die Himmel und Erde bewegt
dein Leben erneuert.
Dass ein Gebet deinen Tag verändert,
dass Liebe Berge versetzt.

Man rät dir, dies lieber für dich zu behalten.

 

Aber so

wird die Zukunft nicht heller sein,
als die Vergangenheit war.

 

Da steht der lyrische Text im inhaltlichen Zusammenhang: Aberglaube

 

Was wird sein?

 

Es wird ein Fest sein,
für die, für die immer
viel los sein muss,
wird es ein Fest sein.
Los wird viel sein.

 

Arbeitslos wird sein,
hoffnungslos wird sein,
hilflos wird sein
und heimatlos.

 

Wird es das Zeitalter der Losigkeit sein?

Wortlos wird zu viel sein,
ziellos wird zu viel sein,
wertlos wird zu viel sein.

 

Endlos wird manche Qual sein,
obdachlos, atemlos,
vaterlos, mutterlos, kindlos.

 

Ein Fest für die,
die davon leben,
dass viel los ist.

 

Wolltest du nicht immer schon
gerne mal
ein Fest verderben?

Dann gib ein Wort,
gib eine Hand,
gib Obdach.

 

Sei Vater,
sei Mutter,
sei Kind,

gib Wert,
gib Zeit,
gib Hoffnung.

 

Dann wird das Fest anders sein,
als die es erhoffen,
die von der Losigkeit leben.
Dann wird ein Fest sein.

 

Da steht das Gedicht im inhaltlichen Zusammenhang: Was wird sein?

 

 

 

Geschwindigkeit verlangsamen

 

Wie die Erde sich dreht,
mit 1670 Stundenkilometern
um ihre Achse!
Kann ich da Halt bewahren?

 

Ich entsinne mich,
wie ich als Kind auf dem Jahrmarkt
auf einer sich drehenden Platte stand,
mich um die eigene Achse bewegte.
Nein, ich konnte den Halt nicht bewahren,
Und wie ich torkelte, fiel, rutschte!

 

Mit welcher Geschwindigkeit
die Erde um die Sonne rast!
30 Kilometer pro Sekunde legt sie zurück.
Wie kann ich da die Orientierung behalten?

 

Ich sehe das Kettenkarussell vor mir,
in dem ich als Kind so gerne im Kreise flog.
Wir versuchten uns etwas zuzurufen,
oder gar die Hand einer Freundin zu fassen,
die neben uns flog, oft vergeblich.

 

Noch schwerer ist es,
bei der rasanten Fahrt dieser Welt
einen freundlichen Blick zu werfen und zu erhaschen,
eine Hand zu reichen und zu greifen,
ein freundliches Wort zuzurufen und zu hören.

 

 

Schneller als jedes Karussell
bewegt sich diese Welt.
In der nächsten Sekunde
sind wir mit ihr
schon 30 Kilometer
weiter auf ihrer Bahn.

 

Als Kind, auf dem Karussell,
haben wir Übung darin bekommen,
die Geschwindigkeit
in Gedanken zu verlangsamen.
Bei rasender Geschwindigkeit,
haben sich unsere Blicke getroffen,
unsere Hände erreicht,
als ständen wir still.

 

Wie ein Karussell ist diese Welt
immer schneller rast die Zeit.
Und doch kann man es schaffen,
sich Blicke zuzuwerfen,
Hände zu reichen,
Worte zu sagen,
die Zeit anzuhalten,
die Welt stillstehen zu lassen.

 

Der Ruf,
ich liebe dich,
kann noch gelingen.

Wir haben alles das geübt,
bei einer Geschwindigkeit,
die uns Angst und Freude machte,
als wir noch Kinder waren.

 

Bilder: pixabay VonSinnen (Kettenkarusell)

 

Da steht das Gedicht im inhaltlichen Zusammenhang:Geschwindigkeit verlangsamen

 

 

 

Chaldäischer Hirte

 

Ich beneide ihn nicht,
den chaldäischen Hirten,
der seit Jahrtausenden
seine Herde begleitet,
die sein Leben ausmacht.

Ich beneide ihn nicht,
denn ich liebe,
was mein Leben ausmacht,
so vielfältig,
so technisch,
so reichlich.

 

Ich beneide ihn nicht,
doch ein Stück von ihm
lass mich finden in dem,
was mein Leben bestimmt.
Seine Geborgenheit in der ewigen Landschaft
lass mich finden
in den engen Straßen meiner Stadt.
Seine Dankbarkeit
für das karge Wachsen in der Wüste
lass mich finden auf rissigem Asphalt.

Seine Zufriedenheit
mit einer Hand voll Lebensnotwendigem
lass mich finden mitten im satten Überfluss.

 

Packesel mit Schäfer und Schafen

 

Ich beneide ihn nicht,
denn ich liebe,
mein Leben,
so geschäftig,
so schnell,
so unbedenklich.

 

Doch ein Stück von ihm lass mich finden
mitten in meinem Leben.

Lass mich am Morgen
so aufatmen und spüren,
dass mein Leben täglich neu beginnt.

Lass mich dann und wann
die Zeit vergessen,
die Stunden und Tage nicht zählen.

Lass mich am Abend
mitfühlend bei denen sein,
die so viel Grund haben,
die Nacht zu fürchten.

 

Ein Stück von ihm lass mich finden,
in getroster Ruhe
und Kraft für jeden neuen Tag.

 

Foto: Paxabay jacqueline macou (Packesel & Hirte)

 

Da steht der Text im Zusammenhang: Mitten in meinem Leben

 

 

 

Was bleibt?

 

Die Sterne am Himmel
leuchten auf und vergehen;
manche entdecke ich staunend neu;
andere suche ich vergeblich wieder.

 

Wie Sterne am Himmel leuchten sie auf,
mächtige Staaten dieser Welt,
stark, ruhmvoll, unüberschaubar.

 

Wie Sterne am Himmel leuchten sie auf,
die Stars und Starlets dieser Welt,
angehimmelt, blendend,
beneidet, unerreichbar.

 

Atlantis Untergang einer Hochkultur

 

Doch lass einen Takt der Zeit vergehen,
und sie sind nicht mehr da.
Wie Sterne am Himmel verblassen,
Menschen und Völker.

 

Ihre Spuren
liegen verborgen im Wüstensand.
Vergilbte Zeitschriften
wecken schwache Erinnerungen.

 

Die Zeit geht schnell dahin,
als führe sie davon,
nichts blieb von dem,
was ewig schien.

 

In solchem Glanz liegt nicht
der Sinn des Seins.
Nur wer von der Vergänglichkeit weiß,
hat die Chance, das Leben zu finden.

 

Nur wer im Leben lebendig wird,
kann nicht vergehen.

 

So lass mich nicht danach streben,
aufzusteigen zum Firmament.

 

Lass mich auf der Erde bleiben - fest.
Lass mich Versöhnung suchen - jetzt.
Lass mich das Leben finden - hier!

 

Da steht das Zeitgedicht im Zusammenhang: Was bleibt?

 

 

Schuldig geworden

 

Überreste einer großen Kultur
finde ich im Wüstensand Afrikas,
in den Hochebenen Mittelamerikas,
in den Wäldern Asiens,
überall auf der Welt.

 

Zeichen einer fernen Zeit,
verkannt, vernichtet, zerstört,
dem Boden gleichgemacht, ausgelöscht.

 

Der Geist der Menschen,
die hier lebten,
liebten, hofften,
glücklich waren,
forschten und litten,
ergreift mich.

 

Betroffen frage ich
was hat mein Hochmut,
was hat meine Dummheit,
was hat mein Glaube,
was hat mein Unglaube
euch angetan?

 

Staunend erkenne ich
wie demütig,
wie weise,
wie verbunden mit der Kraft Gottes
ihr wart.

 

Beschämt gestehe ich:
Ihr lebtet so lange vor mir
und wart mir doch so weit voraus.

 

Da steht das Gedicht im inhaltlichen Zusammenhang: Schuldig geworden

 

 

 

Du, meine Zeit

 

Gern denke ich daran zurück:
Du wecktest mich sanft am Morgen,
dir konnte ich mich anvertrauen,
in meinen Sorgen warst du bei mir,
auf dich konnte ich mich verlassen,
wir gehörten unzertrennbar zusammen.

 

Doch ich habe
deine Freundschaft längst verspielt,
ich begann dich auszunutzen,
wie ein Stück Geld zu behandeln,
ich wollte dich beherrschen,
kontrollieren, an mich binden.
Ich habe dich betrogen,
missachtet, geschlagen
geschunden und verkauft.
Ich habe alles getan,
dich zum Feind zu machen,
und so läufst du mir nur noch davon
und beobachtest alle meine Fehler.

 

In meinen schlimmsten Träumen
wirst du mir gar zum Ungeheuer,
lauerst mir auf, verfolgst mich,
reißt mich aus dem Schlaf,
jagst mich durch den Tag,
lässt mich des Abends
nicht zur Ruhe kommen.
Oft hast du mich im Griff,
dass mir die Luft ausgeht,
du bringst mich fast um.
In meinen schlimmsten Träumen
kommen wir nicht mehr zusammen.

 

Doch du sollst wissen,
solange ich lebe,
wird die tiefe Sehnsucht bleiben,
mich mit dir zu versöhnen,
dich bei mir zu haben,
mit dir eins zu sein.
In meinen schönsten Träumen
küsst du mich wach,
liege ich in deinen Armen.

 

Du sollst wissen, dass ich nicht mehr
der Mensch bin, der ich war,
ich habe mich verändert
auf der Suche nach dir.

 

Ich spüre, ein Neuanfang
könnte nun gelingen.
Doch wie kann man
eine Freundin wiedergewinnen
der man so viel antat,
wie kann ich 
dich wiedergewinnen,
dich, meine Zeit.

 

Da steht das Zeitgedicht im inhaltlichen Zusammenhang: Du meine Zeit

 

 

 

Zeit stehen lassen

 

Ach, dürfte ich doch
einmal nur vergessen,
die Uhr zu stellen,
die Tage zu zählen,
an gestern zu denken,
an den morgigen Tag.

 

Ich bin wie der Sklave,
der das Wasser nachfüllt,
immer wieder, pausenlos,
gefangen von der Zeit;
gefangen von denen,
die sich fürchten,
dass die Zeit stillstehen könnte.

 

Ach könnte ich doch
einmal nur vergessen
die Uhr zu stellen,
dass Wasser nachzufüllen,
die Minuten zu zählen,
dem Vorhin nachzuhängen,
das Nachher zu bedenken,
die Zeit in Bewegung zu halten.

 

Wer hält mich gefangen?
Wer ruft mir zu,
dass ich den Tag nicht machen muss,
und nicht die Nacht,
dass ich nicht der Sand bin im Stundenglas,
der unermüdlich rinnen muss,
nicht die Unruh in der Taschenuhr,
die sich keinen Stillstand gönnen darf,
dass ich stehen darf,
still bleiben darf,
zuschauen,
verweilen,
staunen.

 

Da steht das Gedicht im inhaltlichen Zusammenhang: Zeit stehen lassen

 

 

 

Zeit, wenn du sie hast

 

“Zeit, wenn du sie hast, wird sie dir gegeben -
wenn du sie nicht hast, wird sie dir genommen”,
sagt mir der Mönch, so bedächtig,
als sei damit alles gesagt,
was man über Zeit sagen kann.
Ich kann ihm kein weiteres Wort entlocken
- als wolle er mich nun
mit diesem Satz allein lassen.

 

Vielleicht will er mir sagen:
Fülle deine Zeit,
und du wirst sehen,
wie sie wächst
- sie wird nicht “totgeschlagen”
vor dir liegen.

 

Vielleicht will er mir sagen:
Teile die Zeit mit anderen Menschen,
sie wird Blüten tragen,
und du wirst die Früchte ernten können
- in gefüllten Körben wirst du die Zeit tragen.

 

Vielleicht will er mir sagen:
Wenn du keine Zeit hast,
zu träumen mit den Träumenden,
zu fühlen mit den Fühlenden,
wird viel gestorben sein in dir
- mitten im Leben.

 

Vielleicht will er mir sagen:
Wenn du aber Zeit hast,
zu trauern mit den Trauernden,
zu hoffen mit den Hoffenden,
wirst du das Leben gewinnen
- mitten im Leben.

 

Vielleicht will er mir sagen:
Wenn du an Feiertagen nicht feierst,
an Tagen des Suchens nicht suchst,
an Tagen der Besinnung dich nicht besinnst,
wird man dir die Tage dafür nehmen
- bevor du es merkst.

 

Vielleicht will er mich gar nicht
allein lassen mit seiner Weisheit,
sondern will still bei mir sein,
wenn dieser Satz von ganz allein
immer wieder mal in mir wirkt:

 

Zeit, wenn du sie hast, wird sie dir gegeben -
wenn du sie nicht hast, wird sie dir genommen.

 

Da finden Sie das Gedicht im Zusammenhang: Zeit, wenn du sie hast

 

 

 

Banger Blick nach vorn

 

Wieviele Militärstiefel werden donnern?
Wieviele Heilrufe wird man grölen?
Wieviele Wände werden
durch Zeichen des Hasses verunstaltet sein?
Wieviele Jacken werden
Embleme der Dummheit tragen?
Wieviel Menschenverachtung wird herrschen?

 

Wieviele Menschen werden glauben, dass
das Böse stärker ist als alles Gute zusammen?

 

Wieviele Machtgebärden wird man sehen?
Wieviele Fäuste wird man erheben?
Wieviele Rausrufe werden erschallen?

 

Wieviel Hass wird wachsen?
Wieviel Verachtung wird wird man spüren?

 

Das wird daran liegen,
wieviel Zeit wir uns nehmen zu beweisen,
dass Liebe unsagbar stärker ist
als alles Böse zusammen.

 

Da ist der Text im inhaltlichen Zusammenhang: Banger Blick nach vorn

 

 

 

Denn siehe, es ist gut

 

Deine Güte,
spiegelt sich
im Universum,
in der Gleichmäßigkeit des Sternensystems,
in Sommer, Winter, Tag und Nacht,
im beständigen Wachsen und Vergehen,
spiegelt sich
im Großen und im Kleinen,
im All und im Atom,
im Himmel und in den Wurzeln der Erde.

 

Kein Teil im Himmel und auf der Erde
bricht aus,
aus dem Widerschein Deiner Güte,
der Mond nicht und nicht die Sterne
kein Teil des Seins bricht aus,
nicht das größte und nicht das kleinste,
nur der Mensch bricht aus,
zerbricht,
bricht den Bund mit Dir.

 

Las Du mich wieder einschwingen,
wie der beharrliche Lauf des Schattens,
wie das gleichmäßige Fließen des Wassers,
wie das verlässliche Rinnen des Sandes,
wie die taktvolle Bewegung des Pendels.

 

Hol Du uns zurück,
lass Hoffnung und Vertrauen wachsen,
lass uns Spiegelbilder
Deiner Güte sein.

 

Der inhaltliche Zusammenhang: Denn siehe, es ist gut

 

 

 

Zeit anhalten

 

“Sie fließt davon”,
klagst du,
“die Zeit.”

 

Du gäbst so viel dafür,
sie einmal anzuhalten.

 

Doch unaufhaltsam
reißt sie dich mit,
rinnt sie mit dir,
rast du mit ihr.

 

Du gäbst so viel dafür,
sie einmal anzuhalten.

 

Und wenn du,
einen Augenblick nur,
deine Selbstverständlichkeiten
auf den Kopf stellst,
gegen den Strom schwimmst,
gegen den Zeitgeist denkst,
gegen den Hass liebst,
hältst du sie dann nicht an,
für dich,
die Zeit,
einen Augenblick nur?

 

Summieren sich
die Augenblicke
dann nicht
für dich,
zur Ewigkeit,
mitten im Strom der Zeit?

 

So, dass du sagen kannst:
Sie fließt mir nicht daher,
sie rinnt mir nicht dahin,
sie rast mir nicht davon,

 

ich geh mit ihr,
und sie mit mir,

meine Zeit?

 

Da ist dieser Zeittext im Zusammenhang: Zeit anhalten

 

 

 

Was bringt das neue Jahr?

 

Was bringt das neue Jahr?

Leider muss ich dir sagen:

 

Viel Not wird herrschen -
das schaffen die Gleichgültigen.

 

Viel Hunger wird sein -

das schaffen die Überreichen.

 

Viel Hass wird bohren -
das schaffen die Nachtragenden.

 

Viel Krieg wird wüten -
das schaffen die Unbelehrbaren.

 

Viele Massaker werden sein -
das schaffen die Fanatiker.

 

Doch warte –

lass dich nicht so schnell
von meiner Antwort enttäuschen.

 

Ich möchte nun Dich fragen:
Was bringt das neue Jahr?

Was wirst du schaffen?

 

Das Gedicht im Zusammenhang: Frage an die Zukunft

 

 

 

Stolz

 

Wie stolz
sind deine Eltern auf dich gewesen;
du hast schon als Kind gelernt,
die Uhr zu lesen.

 

Du hast gelernt, den Tag zu teilen,
die Sekunden zu bestimmen,
die Uhr zu stellen,
im Takt zu eilen.

Wie stolz
bist du auf dich gewesen.

 

Du hast geforscht und weißt,
welche Kraft die Uhr treibt,
wie jedes kleinste Teilchen heißt.

 

Du hast die Technik
schon immer geliebt.

Kein Geheimnis für dich,
die Uhr an der Wand,
die Uhr auf dem Turm,
die Uhr in der Hand.

Wie stolz
sind alle auf dich gewesen.

 

Hättest du gelernt,
so den Menschen zu lesen,
seine Gefühle zu verstehen,
Freud und Leid ihm anzusehen

hättest du gelernt,
welche Kraft ihn trägt,
welcher Traum ihn treibt,
was ihn zerschlägt.

 

Hättest du gelernt,
mit ihm die Zeit zu teilen,
mit ihm Hoffnung zu suchen,
bei ihm zu verweilen,
ihn zu lieben,
zu verstehen,
ihn im Mittelpunkt zu sehen.

 

Hättest du gelernt,
ihn so zu lesen,
wie stolz wäre dein Gott
auf dich gewesen.

 

Dieser lyrische Text im Zusammenhang: Stolz

 

 

 

Zeitorgan

 

Schade, sagte der Wissenschaftler,
dass der Mensch
ein so ungenaues Gefühl für Zeit hat.

 

Danke, denke ich,
dass andere Gefühle
in mir viel zuverlässiger sind.

 

Schade, sagte der Wissenschaftler,
dass der Mensch
kein Zeitorgan hat.

 

Mensch und Uhr - Wo ist das Zeitorgan?

 

Danke, denke ich,
dass andere Organe
mein Leben regeln.

 

Schade, sagte der Wissenschaftler,
dass das Herz
mal schneller und mal langsamer schlägt.

 

Danke, denke ich,
dass ich manchmal
Herzklopfen habe.

 

Schade, sagte der Wissenschaftler,
dass der Puls
den Takt so oft wechselt.

 

Danke, denke ich,
dass kein Quarzstab
meine Schwingungen regelt.

 

Schade, sagte der Wissenschaftler,
dass das Gehirn
den Puls nicht automatisch zählt.

 

Danke, denke ich,
dass ich meinen Kopf
für Wichtigeres freihaben darf.

 

Schade, sagte der Wissenschaftler,
dass kein Zeiger
verstrichene Lebenszeit angibt.

 

Danke, denke ich,
dass das geschenkte Leben
in anderen Händen liegt.

 

Danke,
dass der Mensch
nicht digital denkt,
dass er so
unberechenbar ist,
dass nicht alles
vorhersagbar ist.

 

Danke,
dass Glaube, Hoffnung, Liebe
alle Berechnungen zunichte machen
- gegen den unermüdlichen Versuch
mancher Wissenschaftler,
das Gegenteil zu beweisen

Bild: pixabay: Gerd Altmann

 

Da steht das Gedicht im inhaltlichen Zusammenhang: Zeitorgan

 

 

 

Verwundete Zeit

 

Mit dem Abschied des geliebten Menschen
erstarb für dich die Zeit.

 

Unsere Blicke treffen sich, doch es ist,
als ob wir in verschiedenen Zeiten leben.
Meine Zeit ist nicht deine Zeit.
Für dich ist sie stehen geblieben.

 

Wie in einem leeren Raum bewegst du dich.
Die Farben der Jahreszeit,
die ich dankbar aufsauge,
erreichen dich nicht.

 

Die Sonnenstrahlen,
die mein Gesicht erhellen,
leuchten nicht in dein Dunkel.

 

Die Klänge der Welt,
die mich so beschwingen,
dringen nicht an dein Ohr.

 

Welche Schwere liegt auf deinen Gedanken.

Du möchtest gerne meine Zeit mit mir teilen.
Ich würde viel dafür geben,
den Weg in deiner Zeit mit dir zu gehen.

 

Uhr liegt transparent auf dem Gesicht einer jungen Frau

 

Zeit heilt alle Wunden, denke ich.
Ich versuche es dir zuzurufen,
um irgendwas zu tun für dich.
Ich weiß, dass solche Worte
dich nicht erreichen können.

 

Und so gebe ich dir die Zeit,
von der ich hoffe,
dass sie heilend dich begleitet.
Ich kann sie nicht beschleunigen,
sie geht mit dir Hand in Hand,
nimmt den Rhythmus deiner Seele an.

 

Ich weiß, dass du der Zeit nicht traust.

 

Ich sehe deine bangen Fragen:
Was ist, wenn sie doch nicht alle Wunden heilt?
Wie groß werden dann deine Schmerzen bleiben.
Gibt die Zeit ihren Heilungsversuch irgendwann auf?
Wie wetterfühlig werden die Narben sein?

 

Ich weiß, dass deine Zeit
und meine Zeit wieder ineinanderfließen werden.
Dann erst werden wir uns wieder
sehen, verstehen, begegnen.

 

Dann wird die Zeit für uns die gleiche sein.
Wir werden uns unsere Narben zeigen
und uns näher sein, als je zuvor.

 

Bild: pixabay: Gerd Altmann

 

Da ist das Gedicht im Zusammenhang: Verwundete Zeit

 

 

 

Lebendig

 

Im neuen Jahr
werde ich
ganz verrückte Sachen machen.

 

Ich werde mich mindestens einmal
vor dem Morgengrauen auf den Weg machen,
in den Sonnenaufgang hineinwandern,
auf einer taufeuchten Wiese
mein Frühstück genießen,
während die Sonne ihre Bahn aufnimmt.
Vielleicht gelingt es mir sogar zu träumen,
ich hätte Flügel und flöge
der Morgenröte entgegen.

 

Im neuen Jahr
werde ich
ganz verrückte Sachen machen.

 

Ich werde mich mindestens einmal
nackt auf den freien Boden legen,
im Garten oder am Strand,
nichts unter mir als die Erde.
Ich werde ihre Berührung spüren;
zu lange lebte ich schon getrennt von ihr.
Da werde ich liegen,
über mir der Himmel,
werde mich durchdringen lassen
von seiner Kraft;
wie lange hat er mich
so nicht mehr erreicht.

 

Im neuen Jahr
werde ich
ganz verrückte Sachen machen.

 

Ich werde mindestens einen Tag lang
alle meine Uhren abstellen.
Die Zeit wird stillstehen für mich;
so viel Zeit werde ich noch nie gehabt haben;
so viel Ruhe werde ich
noch nie empfunden haben;
die Welt wird nicht stillstehen,
nur ich in ihr,
und ich werde die Erfahrung kosten,
dass ich dennoch nichts verpasse.

 

Im neuen Jahr
werde ich;
ganz verrückte Sachen machen.

 

Ich werde mindestens einen Tag lang
einem einsamen alten Menschen nahe sein,
ich werde zuhören,
wenn er mir seine Lebensgeschichte erzählt.
All seine Hoffnungen, seine Gefühle,
seine Enttäuschungen und seine Liebe
werde ich nacherleben
und verstehen,
wie viel Erinnerung, Leben,
Sehnsucht, Liebe
ein Mensch sammeln kann.

 

Im neuen Jahr
werde ich
ganz verrückte Sachen machen.

 

Ich werde mindestens einmal
in jeder Jahreszeit die Kinder beobachten,
von ihnen lernen,
wie man staunen kann, hüpfen kann,
balancieren und rückwärts laufen,
wie man lachen kann,
Schneebälle wirft, Kastanien sammelt
und aus einer Decke eine Bude baut;
ich werde Kind sein, ohne mich zu schämen.

 

Im neuen Jahr
werde ich
ganz verrückte Sachen machen.

 

Ich werde zur kältesten Winterzeit
mindestens eine Nacht lang
meine Heizung ausstellen,
dass der Frost Zeit hat,
an der Fensterscheibe zu spielen;
ich lasse ihn Eiskristalle malen
und werde staunend neu erfahren,
dass Sterne nicht nur am Himmel strahlen.

 

Im neuen Jahr
werde ich
ganz verrückte Sachen machen.

 

Ich werde mindestens einmal
in einem Zelt übernachten,
den Kopf ins Freie betten,
in den Sternenhimmel blicken,
die Sterne zählen, die Sternbilder suchen,
auf Sternschnuppen warten,
mir wünschen, dass ich öfter mal
den Mut habe, verrückte Sachen zu machen.

 

Im neuen Jahr
werde ich
ganz verrückte Sachen machen.

 

Das wird ein Jahr,
in dem ich lebe,
nicht nur einmal.

 

Da steht das Gedicht zum neuen Jahr im Zusammenhang: Lebendig

 

 

 

Nie zu spät

 

Manchmal denke ich,
es kann keine lichte Zukunft geben,
wir haben sie in der Vergangenheit
zu sehr verdunkelt.

 

Wir haben stolze Völker ausgelöscht,
lebendige Wälder abgeholzt,
klare Seen vergiftet.

 

Manchmal denke ich,
es kann keine lichte Zukunft geben,
wir haben sie in der Vergangenheit
zu sehr verdunkelt.

 

Wir haben die Welt
mit Hass belegt,
mit Krieg übersät,
mit Blut beschmiert.

 

Manchmal denke ich,
es kann keine lichte Zukunft geben,

Da zerreißt ein Schrei die Dunkelheit:

 

"Vater, vergib Ihnen,
denn sie wissen nicht,
was sie tun!"

 

Der Schrei,
der am 14. Nisan
des Jahres 3791 der jüdischen Weltära,
der am Freitag, den 7. April
im Jahre 30 der christlichen Ära
den Himmel aufriss.

 

Und ich weiß,
erst wenn dieser Schrei seine Kraft verliert,
wenn sein schwächster Nachhall im All verklingt,
dann erst ist es wirklich zu spät.

 

Da steht der Text im Zusammenhang: Nie zu spät

 

 

 

Durch das Jahr

 

Dass du
durchs Auf und Ab des Jahres
nicht allein gehst,
wünsch ich dir,
dass auch wir uns
dabei begegnen,
wünsch ich mir.

 

Dass wir,
Vorfreude teilen,
und uns innig umarmen,
nicht nur im Advent
und zur Weihnachtszeit,
wünsch ich uns.

 

Dass wir zurückblicken - besinnlich,
Hoffnung schöpfen - erwartungsvoll,
nicht nur zum Jahreswechsel,
dass wir uns in den Rollen
verlieren dürfen,
von denen wir sehnsuchtsvoll träumen,
und dass wir uns die Masken abnehmen
um uns so zu offenbaren,
wie wir uns noch niemals sahen,
wie nur Gott uns kennt,
wünsch ich uns,
nicht nur zur Karnevalszeit.

 

Dass wir,
im Leid uns stützen,
Schweigen und Verzichten
uns reich macht
und wir das Leben
immer wieder feiern,
nicht nur zur Fasten- und Osterzeit,
dass wir uns den Mut geben,
das Richtige zu sagen,
für das Gerechte zu kämpfen
und wir Gott in seiner Vielfalt erkennen,
nicht nur mitten im Kirchenjahr,
wünsch ich uns.

 

Dass wir,
nicht nur im Herbst,
einander mit Dank erfüllen,
Umkehr kosten,
Veränderung genießen,
und Kraft empfangen,
loszulassen,
wünsch ich uns.

 

Dass wir immer wieder
die Chance ergreifen,
den Weg neu zu gehen
und er uns zur Erfüllung wird,
mehr und mehr,
Jahr für Jahr,
allein, gemeinsam
und mit anderen,
wünsch ich uns.

 

Und dass wir uns,
wenn wir einander
auf diesem Weg verlieren,
immer wieder gern begegnen,
eine Lebenszeit lang,
das wünsch ich dir und mir.

 

Im inhaltlichen Zusammenhang: Durch das Jahr

 

 

 

Zeit in der Hand

 

”Wohin ich auch reiste”,
sagte die alte Frau,
ӟberall begegnete ich ihnen,
den Menschen, die wie ich verzweifelt
versuchten, mit der Zeit umzugehen.

 

Und so habe ich - manchmal allein,
manchmal zu zweit, zu dritt oder mit vielen -

die Zeit gesucht, gewonnen und verloren,
die Zeit gegeben, genommen und vertrieben,

Zeit gehabt zum Hassen und zum Lieben,
die Zeit verschenkt, vergeudet und gestohlen,
die Zeit geopfert, geschunden und totgeschlagen,

Zeit gehabt, zum Singen und zum Klagen.

 

Überall begegnete ich ihnen,
den Menschen, die wie ich verzweifelt versuchten,
mit der Zeit umzugehen.

 

Nun möchte ich
dem Menschen begegnen,
der sie mit mir, ganz einfach nur
in Gottes Hand zurücklegt”.

 

Das Gedicht im inhaltlichen Zusammenhang: Zeit in der Hand

 

 

 

Woche

 

“Die siebentägige Woche
ist heilig”,
so sagte man früher,
“denn in sieben Tagen
hat Gott die Welt geschaffen,
und sieben Planeten,
hatte man entdeckt,
einen für jeden Tag.”

 

Ich weiß heute,
dass die Welt
nicht in sieben Tagen
geschaffen wurde,
und ich weiß,
dass es mehr
als sieben Planeten gibt
und ich weiß,
dass die Zahl sieben
nicht heilig ist.

 

Mein Wissen befreit
mich von Aberglauben,
und doch bleibt sie mir heilig,
die siebentägige Woche.

Sie ist mir Bekenntnis,
dass mein Wissen
den Glauben nicht zerstört.

 

Sie ist mir Zeichen,
dass wir den Schöpfungsrhythmus achten,
und dass wir uns nicht selbst
zum Schöpfer erheben.

 

Sie ist mir Taktgeberin
für das Vorwärtsgehen und das Besinnen,
für Zerstreuung und Sammlung,
für das Geschickt werden und das Gerufen sein.

 

Sie ist mir Teil,
eines ewigen Rhythmus
von Arbeit und Ruhe,
Wissen und Glaube,
Handeln und Hoffen.

Sie bleibt mir heilig,
in einer sich ändernden Welt
- die siebentägige Woche.

 

Das Gedicht im inhaltlichen Zusammenhang: Woche

 

 

 

Zeitvision

 

Der Mensch
konnte schließlich
an einem Tag die Welt umrunden,
an vielen Orten gleichzeitig sein.
Und er träumte davon,
eine Universalzeit zu haben,
nur einen Kalender
überall auf der Welt,
um Trennungen zu überschreiten,
um sich zu begegnen,
um Wege gemeinsam zu gehen,
um sich zu verstehen.

 

Ach hätte er doch den Traum,
zu spüren,
dass jeder Mensch
immer schon
die gleiche Zeit hat:
gezeugt in Umarmung,
Kind von Vater und Mutter,
geboren in Schmerzen,
umhegt in Sorge,
aufgewachsen mit Sehnsüchten,
auf seinen Wegen Liebe suchend,
den Erfolg genießend,
unter Krankheiten leidend,
die Dunkelheit fürchtend,
den Frieden ersehnend,
von Hoffnung getragen
und am Ende seiner Zeit
zurückblickend und zurückgehend
in die Ewigkeit.

 

Hätte er den Traum,
dies zu verstehen,
dass jeder Mensch
immer schon
die gleiche Zeit hat;
so würde er
Trennungen überschreiten,
sich begegnen,
Wege gemeinsam gehen,
sich grenzenlos verstehen,
ohne Weltkalender,
ohne Weltuhr,
ohne Weltzeit.

 

Da steht das Gedicht im inhaltlichen Zusammenhang: Zeitvision

 

 

 

Du bist da

 

Wohin ich auch gehe,
Du bist schon längst da;
Du bist diesseits und jenseits
aller Zonen, aller Grenzen,
aller Längen- und Breitengrade.

Wie immer ich die Welt aufteile,
Du bist in Nord und Süd,
in Ost und West;
Du bist im Sonnenschein
und in der Nacht.

 

Du bist mit mir
im tiefsten Schnee,
im stärksten Regen,
auf dem weiten Meer,
auf dem höchsten Berg,
überall bist Du.

 

Du bist der Tag,
Du bist die Nacht,
kein Datum hält dich auf,
Du springst mit mir
über alle Zäune,
Du nimmst mich mit
durch alle Zeiten.

 

Das Gedicht im inhaltlichen Zusammenhang: Du bist da

 

 

 

Schwingung

 

Schwingung
ist in allem Sein,
im größten Raum,
im kleinsten Atom.

 

Nur wenn etwas
zu schwingen beginnt,
entsteht Raum und Zeit.

 

Als Gottes Liebe
zu schwingen begann,
setzte sich das All in Bewegung,
bildete sich die Welt,
entstand das Leben.

 

Schwingung ist in mir,
sie ist meine Zeit,
meine tägliche Zeit,
meine Lebenszeit.

 

Nur wenn meine Seele
zu schwingen beginnt,
erlebe ich,
lebe ich,
lebe ich auf.

 

Wenn meine Liebe
zu schwingen beginnt,
verändert sich das Leben,
weil keine Schwingung
stärkere Schöpfungskraft besitzt,
erneuert Liebe die Welt.

 

Der lyrische Text im Zusammenhang: Schwingung

 

 

 

Wie wir auch forschen

 

Wie wir auch forschen,
suchen, lesen,
alles, was wir finden,
ist immer schon gewesen.

 

Du lässt die Erde
um die Sonne drehn,
wir brauchten ewig,
um das zu verstehn.

 

So sehr wir auch ringen,
entdecken und fragen,
es sind doch nur Stücke,
die wir zusammentragen.

 

Jedes kleinste Stück Wahrheit
wie neu es uns scheint,
ist nur bei bei Dir, großer Gott,
zum Ganzen vereint.

 

Was immer wir schaffen,
Du hast es gegeben,
auf das wir es nutzen
für ein erfülltes Leben.

 

Stolz messen wir die Zeit nun
mit dem kleinsten Atom,
als hätten wir es jetzt erfunden

 

- doch es war immer schon.

 

Da steht das Gedicht im inhaltlichen Zusammenhang: Alles von Dir

 

 

 

Nie alt

 

Das ist alles alt,
aber immer wieder neu,
weil das Gegenteil zu schnell alt wird:

 

Segne mit liebevollen Gedanken;
mit guten Wünschen spare nicht;
hoffe für die Bedrückten;
gegen das Böse erhebe dein Wort;
den Argwohn verbreite nicht.

 

Finde eine Entschuldigung
für die Verurteilten;
deinen freundlichen Blick
lass hervorschauen;
dein Lächeln schenke reichlich;
zur Offenheit löse dich;
deine Hand werde leicht für eine gute Tat.

 

Weil du damit neue Hoffnung schaffst,
ist es immer neu, so alt es scheint.

 

Das Gedicht im Zusammenhang: Nie alt

 

 

 

Zusage

 

Niemals wird aufhören:
Saat und Ernte, Frost und Hitze,
Sommer und Winter, Tag und Nacht.

 

Gott hat es uns zugesagt,
das ist der Rhythmus der Zeit,
der uns gegeben ist.

 

Er bewirkt,
dass wir uns sicher fühlen,
geborgen, geliebt, umsorgt.

 

Doch diesen Rhythmus
haben wir Gott längst
aus der Hand genommen;
aus der Gleichmäßigkeit wurde:
Fortschritt und Wachstum,
neuer und schneller, höher und weiter,
endlos und ziellos.

Aus dem steten Wiederkommen wu

rde:
unwiederbringbar, unumkehrbar,
unwiederholbar und machbar.

 

Die Dankbarkeit, Geborgenheit,
innere Sicherheit und Vertrautheit
weicht der Überheblichkeit, Ängstlichkeit,
äußeren Sicherheit und Verlorenheit.

 

Doch Gottes Zusage
bleibt Wirklichkeit und erfüllt
sich immer wieder neu:

 

Niemals wird aufhören: Saat und Ernte,
Frost und Hitze,
Sommer und Winter, Tag und Nacht.

 

Im inhaltlichen Zusammenhang: Zusage

 

 

 

 

Wachgeküsste Träume

 

Wie Abraham
vor vielen tausend Jahren
so darfst du gern
zum Himmel schaun
in sternenklarer Nacht

 

lass dir
von tausend Sternen
tausendmal aufzeigen
wie dein Gott
dir Zukunft zuspricht
mit jedem Stern
dir Heimat bereitet
mit jedem Stern

doch dann
verlier dich nicht
in tausend
wachgeküssten Träumen

 

von tausend Sternen über Bethlehem
lass deinen Blick zur Erde lenken
zu unzähligen Hütten
zu Kindern im Stroh
Zukunft ersehnend
Heimat entbehrend
Träume tränenverwaschen
tausendmal

 

dann erst
erkennst du
deinen Gott
ganzheitlich
tausendmal
sternenklar

 

und du darfst neu
zum Himmel schauen
wie Abraham
vor vielen tausend Jahren

lass dir
noch einmal zurufen
welche Zukunft
welche Heimat
welche Hoffnung
dein Gott
bereithält

 

verlier dich nun
und gut und gern
in tausend wachgeküssten Träumen

 

Das Gedicht im inhaltlichen Zusammenhang: Wachgeküsste Träume

 

 

Nacht

 

Und wieder
versinkt die Sonne am Horizont;
die Nacht bricht herein,
vor der ich mich so fürchte.

Dunkelheit wird wieder um mich sein.

 

Ich finde keinen Trost,
nichts ersetzt die hellen Strahlen der Sonne.

Dunkel wird es nicht nur am Horizont.
Dunkelheit breitet sich aus in mir.
ich bin allein;
die Menschen des Tages
sind nicht mehr da.

Wen ich auch suche,
niemand ist da,
wen ich auch rufe,
ich erhalte keine Antwort.

 

In mir sind die Stimmen der Nacht,
Wortfetzen aus der Vergangenheit,
bange Fragen an die Zukunft.

Wer nimmt mit die Angst meiner Nacht?
Wer gibt mir Kraft für den folgenden Tag?

 

Wer ist da,
meine Seele sanft zu berühren?

Lass mich spüren:
Es wird ein neuer Tag beginnen,
neues Leben
nach dieser Nacht.

 

Da steht der Text im Zusammenhang: Nacht

 

 

 

Geborgen

 

Ich bestaune den Himmel,
Mond und Sterne auf ihren Bahnen,
wie klein ist doch der Mensch,
und doch leitest Du,
der über allem steht,
auch ihn. (Psalm 8)

 

Der Himmel ruft allen zu:
”Groß und allmächtig ist Gott.”
Die Gestirne bezeugen seine Schöpfermacht.
Ein Tag sagt es dem anderen weiter,
die Nacht ruft es der nächsten zu.
Ich höre keinen Laut,
und doch geht eine Botschaft
bis ans Ende der Erde.

 

Ich sehe die Gestirne auf ihren Bahnen
und erkenne, Du zeigst auch mir
den Weg zum Leben. (Psalm 19)

 

Gott ist mein Hirte,
immer sorgt er für mich,
er bringt mich auf saftige Weiden,
am frischen Wasser lässt er mich ruhen.
Er gibt mir Kraft und führt mich,
damit ich mich in der unendlichen Weite
nicht verlaufe. (Psalm 23)

 

Da steht der Text im Zusammenhang: Geborgen