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Das Ende aller Zeit

Apokalypse

Das Buch der Offenbarung

Apokalypse als Literaturgattung

Gedicht: Nie alt

Bedeutung apokalyptischer Schriften

Gedicht: Zusage

Millennium

Gedicht: Was wird sein?

Gott rechnet anders

Die Offenbarung

 

Die Jahre 90 bis 95 unserer Zeitrechnung verbrachte ein Mann namens Johannes auf der kleinen griechischen Insel Patmos. Hierhin war der Christ verbannt worden. In der Einsamkeit seines Exils schrieb er ein Buch über Vergangenheit und Zukunft der Menschheit.

 

Dieses Buch wurde später in den Kanon der biblischen Bücher aufgenommen. Es ist durchzogen von Visionen. Gott, so sieht Johannes, wird sich am Ende aller Zeiten den Menschen offenbaren. Doch zuvor wird der teuflische Schrecken des Antichrists regieren. Krieg, Hunger, Not, Tod und Verderben werden herrschen. Apokalyptische Reiter sorgen für ihre Verbreitung.

 

Das letzte Buch der Bibel

 

Johannes von Patmos (nicht zu verwechseln mit dem Autor des Johannesevangeliums) will mit seiner Schrift sich und alle verfolgten Christen auf noch mehr Leid vorbereiten und sie stärken durch die Hoffnung auf eine dann folgende neue Welt.

 

In dem neuen Reich, das Gott errichtet, wird keine Angst, kein Leid und kein Tod mehr sein. Diese Visionen des Johannes schließen als letztes Buch die Bibel ab. Das Buch der Offenbarung wurde zum bekanntesten Werk einer damals sehr verbreiteten Literaturgattung, die den griechischen Namen für Offenbarung trägt: Apokalypse.

 

Weiter: Literaturgattung: Apokalypse

 

 

Apokalypse als Literaturgattung

 

Diese Literatur vom Ende aller Zeit ist gekennzeichnet durch Visionen, Träume, Weissagungen. In geheimnisvoller Weise, wird der bisherige Verlauf der Menschheitsgeschichte als Weg des Unheils beschrieben, dessen Gipfel noch nicht erreicht ist.

 

Die entrückte Sprache der Apokalypse, voller Symbole und Rätsel, erinnert an das Sprechen eines Mediums in Trance. Historische, astrologische, geographische Daten sind dabei in so verschlüsselter Weise eingearbeitet und miteinander verwoben, dass man beim Lesen die Zeit, in der man lebt, zu erkennen glaubt.

 

Erde versinkt brennend im Meer

 

Vorhergesagt wird: Alle Ordnung wird zusammenbrechen; kein Bereich des Seins wird verschont bleiben; die Planeten werden ihre Bahn verlassen; Gestirne werden sich verfinstern; Bäume werden bluten; Menschen werden von Krankheiten dahingerafft.

Das Ende dieser Welt wird prophezeit. Zum Ausharren wird aufgerufen. Doch erst am Höhepunkt allen Grauens werden göttliche Boten Heil verkünden, einen 1000 jährigen Vorgeschmack auf Gottes gute Ewigkeit geben und dann der Weltzeit ein Ende setzen.

 

Die Prophezeiung

 

”Gottes neue, vollkommene Schöpfung, die der Weltzeit folgt, wird ohne alles Böse sein, ohne alles Leid. Diese neue Welt ist von Gott schon immer vorbereitet. Sie ist das Ziel allen Seins. In diese Welt werden diejenigen hinübergerettet werden, die im göttlichen Gericht bestehen können.

 

Alle anderen Menschen werden unsagbare Qualen erleiden. Gott wird in der neuen Welt unmittelbar wohnen. Keine Trennungslinie zwischen Gott und den Menschen wird sein. Auch die Menschen werden versöhnt sein - untereinander und mit aller Schöpfung. Ewige Gerechtigkeit wird herrschen. Gott selbst wird alle Tränen abwischen, alles Leid beenden, allen Schmerz stillen. Alles Erdenkliche wird neu und gut sein.”

 

 

Das Ende aller Zeit

 

Ein so schreckliches und zugleich wunderbares Bild malen die apokalyptischen Schriften. Immer wieder regen sie an, darüber zu spekulieren, wann der Höhepunkt des Grauens bevorsteht bzw. ein 1000 jähriges Reich des Heils beginnt oder zuende geht, und eine neue Welt anbricht.

 

Weltuntergangsdaten wurden und werden errechnet. Vermeintlich verschlüsselte biblische Zahlen sollen helfen, das Ende aller Zeit vorherzuberechnen. In der Not und dem Leid der jeweiligen Zeit sah man den Anbruch des Heils immer wieder angedeutet.

 

Nie alt

 

Das ist alles alt,
aber immer wieder neu,
weil das Gegenteil zu schnell alt wird:

 

Segne mit liebevollen Gedanken;
mit guten Wünschen spare nicht;
hoffe für die Bedrückten;
gegen das Böse erhebe dein Wort;
den Argwohn verbreite nicht.

 

Finde eine Entschuldigung
für die Verurteilten;
deinen freundlichen Blick
lass hervorschauen;
dein Lächeln schenke reichlich;
zur Offenheit löse dich;
deine Hand werde leicht für eine gute Tat.

 

Weil du damit neue Hoffnung schaffst,
ist es immer neu, so alt es scheint.

 

Die apokalyptischen Schriften

Was erwartet uns

 

Besonders zu Beginn des zweiten Jahrtausends bewegte die Frage, “Liegt der Höhepunkt des Schreckens hinter uns oder tut er sich vor uns auf?” Viele waren sicher, an den Nöten der Menschen, an den grausamen Königen und ungeliebten Päpsten festmachen zu können, dass die Herrschaft der satanischen, apokalyptischen Reiter in der letzten, grausamen Phase war. Andere sahen unglaubliches Unheil bevorstehen, wieder andere erwarteten das unmittelbare Ende aller irdischen Zeit.

 

Solche apokalyptischen Vorhersagen der endgültigen Offenbarung Gottes waren besonders um die Zeit der Geburt Jesu, im Judentum und dann im frühen Christentum verbreitet. Beide Religionen mahnen allerdings deutlich zu einem vorsichtigen Umgang mit diesen Schriften.

 

Wer das Ende der Welt vorhersagen will, hat von der Geschichte Gottes mit den Menschen nicht viel verstanden. Wer dem personifizierten Teufel eine solche Macht zuspricht, dass er Gott das Fürchten lehrt, den hat die frohe Botschaft von Jesus Christus nicht erreicht.

 

Die apokalyptischen Bücher wollen nicht so sehr Angst, sondern Hoffnung machen, Hoffnung auf eine Zeit nach der Zeit. Und dennoch: Ein Glaube, der auf der Apokalypse des Johannes oder eines der anderen Bücher dieser Gattung fußt, sagt wenig über Gott, die Welt und die Zeit aus.

 

Aber wir erkennen in den apokalyptischen Schriften viel über die Menschen selbst: Wir erkennen Hilflosigkeit, Angst, den Willen zur Flucht aus dieser Welt, Hoffnungssehnsucht, den Wunsch, die Zukunft vorherzusagen und zur Umkehr aufzurufen.

 

Zusage

 

Niemals wird aufhören:
Saat und Ernte, Frost und Hitze,
Sommer und Winter, Tag und Nacht.

 

Gott hat es uns zugesagt,
das ist der Rhythmus der Zeit,
der uns gegeben ist.

 

Er bewirkt,
dass wir uns sicher fühlen,
geborgen, geliebt, umsorgt.

 

Doch diesen Rhythmus
haben wir Gott längst
aus der Hand genommen;
aus der Gleichmäßigkeit wurde:
Fortschritt und Wachstum,
neuer und schneller, höher und weiter,
endlos und ziellos.

Aus dem steten Wiederkommen wu

rde:
unwiederbringbar, unumkehrbar,
unwiederholbar und machbar.

 

Die Dankbarkeit, Geborgenheit,
innere Sicherheit und Vertrautheit
weicht der Überheblichkeit, Ängstlichkeit,
äußeren Sicherheit und Verlorenheit.

 

Doch Gottes Zusage
bleibt Wirklichkeit und erfüllt
sich immer wieder neu:

 

Niemals wird aufhören:
Saat und Ernte, Frost und Hitze,
Sommer und Winter, Tag und Nacht.
(1.Mose 8,22)

 

Der Unsinn vom Millennium

 

Das Millennium sind nach der Offenbarung des Johannes die letzten 1000 Jahre vor dem Ende dieser Welt – eine Zeit der ”Fesselung des Satans” und der reinen Herrschaft Gottes.

 

Alle Versuche, den Beginn des Millenniums oder das Ende der Weltzeit zu berechnen und vorherzusagen stellten sich bisher als Irrtum heraus. So wird es bleiben, solange wir, unsere Kinder und Kindeskinder leben.

 

Das Ende eines Jahrtausends als Beginn oder Ende eines solchen Millenniums zu sehen und sich dabei auf Gottes Heilsplan zu berufen, ist mehrfach töricht: Glaubt man wirklich, man könne Gottes Unermesslichkeit in den Gedanken einiger Menschen erkennen; Gottes Geschichte mit dieser Welt wäre an ein paar Zahlen festzumachen? Kann man ernsthaft annehmen, dieser Gott rechne mit unseren Jahreszahlen und mache nun den Tausender voll?

 

Was wird sein?

 

Es wird ein Fest sein,
für die, für die immer
viel los sein muss,
wird es ein Fest sein.
Los wird viel sein.

 

Arbeitslos wird sein,
hoffnungslos wird sein,
hilflos wird sein
und heimatlos.

 

Wird es das Zeitalter der Losigkeit sein?

Wortlos wird zu viel sein,
ziellos wird zu viel sein,
wertlos wird zu viel sein.

 

Endlos wird manche Qual sein,
obdachlos, atemlos,
vaterlos, mutterlos, kindlos.

 

Ein Fest für die,
die davon leben,
dass viel los ist.

 

Wolltest du nicht immer schon
gerne mal
ein Fest verderben?

Dann gib ein Wort,
gib eine Hand,
gib Obdach.

 

Sei Vater,
sei Mutter,
sei Kind,

gib Wert,
gib Zeit,
gib Hoffnung.

 

Dann wird das Fest anders sein,
als die es erhoffen,
die von der Losigkeit leben.
Dann wird ein Fest sein.

 

Gott rechnet anders

 

Eine Jahreswende, Jahrhundertwende oder gar Jahrtausendwende ist kein Datum, an dem sich irgendwo im Universum, auf dieser Welt oder in den kleinsten Teilen dieser Erde etwas Bedeutendes ereignen muss.

 

Die Jahreszahlen haben wir Menschen selbst erstellt. Sie zeigen unser immerwährendes, aber hilfloses Ringen, der Zeit eine Ordnung zu geben. Zu meinen, unsere Zeiteinteilung stimme mit einer ewigen Weltordnung oder göttlichen Ordnung überein, ist vermessen.

 

Ein Neuanfang

 

Und doch, immer wieder ist uns der Beginn eines neuen Tages, einer neuen Woche, eines neuen Jahres Anstoß, zurückzublicken, aus Fehlern zu lernen und Gutes weiterhin mitzunehmen. An diesen Schwellen können sich neue Türen auftun, wenn wir es wollen. Wandel ist möglich.

 

So sollten wir insbesondere zu Beginn eines neuen Jahrhunderts und Jahrtausends unsere Vorsätze überdenken und neue Wege wagen. Hier liegt eine Chance, die wir als verantwortungsvolle Menschen nicht ungeachtet lassen dürfen. Es ist ein guter Zeitpunkt, unser Verhältnis zu den Mitmenschen, zur Schöpfung und zu Gott, auf eine neue Ebene zu bringen.

 

Bild: pixabay Gerd Altmann (Apokalypse)