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Wissen und Glauben

Vorwort zu "Das Zeitbuch"

 

Wissenschaftliche Forschung beruhte immer auf religiöser Neugier. Den Sinn des Lebens zu finden, war das Ziel des Suchens nach Zusammenhängen im großen Universum und in den kleinsten Teilen des Seins. Forschen und Glauben, Wissen und Fühlen konnten nicht getrennt voneinander verstanden werden.

 

Wertfreie Wissenschaft?

 

Erst in der Neuzeit zerbrach diese Einheit von Forschen und Glauben. Besonders das 20. Jahrhundert ist geprägt von der Vorstellung, jedes mögliche Stück Wissen sei ein notwendiges Puzzleteile, das uns einer Vollständigkeit allen Wissens näher bringt. Diese Vollständigkeit zu erreichen wurde Motiv und Ziel des Lernens und Forschens. Von "hinderlichen Werten", Hoffnungen und ethischen Vorstellungen galt es, sich zu befreien.

 

Auf der einen Seite standen nun der Wissensdrang und die Forschungstätigkeit – auf der anderen Seite die Sehnsüchte, Gefühle, der Glaube und die Frage nach Sinn. Diese beide bedeutenden Seiten des Menschen schienen unterschiedliche Bereiche zu sein, die nichts miteinander zu tun haben, sich gar stören und ausschließen. Man feierte eine befreite, unabhängige, wertfreie Wissenschaft.

 

 

 

 

Erkenntnisleitendes Interesse

 

Doch es wird immer deutlicher, dass wir unsere ”Puzzlearbeit” nie beenden werden. Das mögliche Wissen ist zu vielfältig und wird all unsere Kraft und unser Vermögen immer übersteigen.

 

Mit der Erkenntnis dieser Ohnmacht wächst die Gewissheit, dass ”Vollständigkeit” nicht das Motiv oder Ziel unseres Suchens sein kann – wir werden sie nie erreichen. Eine derart wertfreie Forschung schafft lediglich leere Räume, in denen wir Menschen hilflos umherirren. Wir müssen gemeinsam neue Motive und Ziele für unser Suchen finden. Wissensdrang muss sich verbinden mit unseren Hoffnungen, mit unseren Fragen nach sinnvoller Zukunft, nach Liebe und Geborgenheit und erfüllenden Formen des Zusammenlebens.

Diese Verbindung zu schaffen wird die große Aufgabe im neuen Jahrtausend sein. Ich sage bewusst ”Jahrtausend”, denn ein Jahrzehnt oder Jahrhundert wird nicht ausreichen, unsere bisherigen Irrwege zu korrigieren. Wir stehen noch am Anfang neuer Wege und haben kaum eine Ahnung, wie sie weiterführen werden.

 

 

Was will "Das Zeitbuch"?

 

Dieses Buch ist ein kleiner Versuch, am Beispiel Zeit unser Wissen und Fühlen zusammenzubringen. Das Thema eignet sich dazu besonders, denn nichts ist so sehr objektiv messbar und gleichzeitig subjektiv erlebbar wie die Zeit.

 

Informative und meditative Texte erwachsen hier einer aus dem anderen, ergänzen sich und sind nur als Einheit zu verstehen. Pendeln Sie mit uns, zwischen den objektiven und persönlichen Seiten der Zeit hin und her. Lassen Sie sich zu den Gefühlen, Ängsten und Hoffnungen der Menschen leiten, die lange vor Ihnen lebten – und zu Ihren eigenen.

Wir möchten eine Vorstellung davon geben, wie verstandesmäßiges und seelisches Suchen aus einem Ursprung kommen, neu zusammenwachsen können und gemeinsam für eine hoffnungsvolle Zukunft fruchtbar zu werden.