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Anno Domini - Christliche Ära

Der Siegeszug des Julianischen Kalenders

 

Wir landen nach diesem kleinen Exkurs über die Wasseruhr noch einmal im römischen Reich, um zu beobachten, wie der Julianische Kalender seinen Weg über die Grenzen Roms in die Welt fand. Die Welt - das waren damals die Länder rings um das Mittelmeer.

 

Die militärische Macht der Römer reichte bis in die letzten Winkel dieser Welt, und so verbreitete sich der neue Kalender in kürzester Zeit. Wer hätte bei diesem klaren Aufbau auch widerstehen können? Später war es die christliche Kirche, die den julianischen Kalender mit dem Evangelium noch weiter trug, in die Welt hinaus. Nach der Anerkennung als Staatsreligion im römischen Reich wurden alle christlichen Feste in diesen Kalender aufgenommen. Wohin die Missionare auch gelangten, der Kalender reiste mit.

 

Die Varronische Ära

Als die Jahre noch Namen trugen

 

Der neue Kalender inspirierte schon im Jahre 43 v. Chr. einen Mann namens Marcus Terentius Varro, die Jahre zu zählen. Wir können es uns kaum noch vorstellen, dass bis dahin den Jahren keine Zahl zugeordnet war. Jedes Jahr wurde für sich gesehen und trug den Namen des jeweils amtierenden Konsuls.

 

Varro rechnete zurück zur Gründung Roms und zählte von da an fortlaufend. Doch mittlerweile waren mehr als 700 Jahre vergangen. Es ist verständlich, dass er den Zeitpunkt der Gründung der Stadt Rom nicht mehr genau ausmachen konnte. Er legte sie - und damit den Beginn seiner Zeitrechnung - ins Jahr 753 v. Chr. Nach Varro nennt man die ganze Zeit, in der man beginnend mit “1 von der Gründung der Stadt Rom an” die Jahre zählte, die Varronische Ära.

 

Weiter: Christliche Ära

 

Was ist eine Ära?

 

Durchgesetzt hat es sich bei fast allen Kalendern der Welt, dass die einzelnen Jahre keine Namen haben, sondern mit fortlaufenden Nummern durchgezählt werden. Eine solche Jahresabfolge, gebunden an ein bestimmtes Ereignis, nennen wir eine “Ära”.

 

Herrschte zu den Anfängen des Julianischen Kalenders die Varronische Ära, so zählte man ab dem Amtsantritt des römischen Kaisers Diokletian (aus unserer Sicht im Jahre 284 n. Chr.) die “Diokletianische Ära”, die später von den Christen in “Märtyrer-Ära” umbenannt wurde. Denn unter Diokletian mussten unzählige Christen ihr Leben lassen. Diese Ära galt mehr als 200 Jahre lang. Bis in Rom der Abt Dionysios Exiguus vorschlug, die Jahre ab Christi Geburt zu zählen.

 

 

Unser Kalender
Unsere Zeit
Die christliche Ära

 

Ab der Geburt Christi sollten die Jahre durchnummeriert werden, so schlug es der Abt Dionysios Exiguus im 6. Jahrhundert vor.

 

Doch seit der Geburt Jesu Christi waren mehr als 500 Jahre vergangen. Die Überlieferungen und auch die biblischen Zeugnisse waren gerade bezüglich des Geburtsdatums Jesu außerordentlich ungenau. So musste der Abt rechnen und schätzen, und schließlich festlegten, dass dem 248. Jahr nach Diokletian das Jahr 532 n. Chr. entspricht.

 

Die neue Ära setzte sich nur langsam durch

 

Diese neue Ära zählte nun die “Jahre unseres Herrn Jesus Christus” (anni domini nostri Jesu Christi). Sie wurde von den christlichen Ländern nach und nach angenommen; um 1000 n.Chr. war die neue Ära in ganz Europa verbreitet. Offiziell wurde sie durch den Papst aber erst ab dem Jahre 1431 eingeführt. Bis dahin – und bei der Bevölkerung noch viel länger – standen verschiedene Zeitrechnungen nebeneinander.

 

Unterschiedliche Zeitrechnungen zur selben Zeit

 

Man rechnete gleichzeitig mit der diokletianischen Ära, der jüdisch-biblizistischen Ära (beginnend mit der Schaffung der Welt), der varronischen-Ära (beginnend mit Gründung der Stadt Rom) und der christlichen-Ära. Es musste also den Jahreszahlen immer der Hinweis auf die jeweilige Ära beigefügt werden. So stand bei den Jahreszahlen erklärend z. B. "anno Diocletiani", "ab urbe condita" (seit Gründung der Stadt) und zunehmend "anno Domini Jesu Christi".

 

Erschwerend kam hinzu, dass die biblizistische Ära verschiedene Rechnungen kannte (man wurde sich um den Schöpfungstermin nicht einig) und die christliche Ära bis ins 18. Jahrhundert hinein eine Zählung der Jahre vor Christi Geburt unbekannt war. Es musste also den Jahreszahlen immer die jeweilige Ära - wie anno Diocletiani, anno Domini Jesu christi, ab urbe condita (seit Gründung der Stadt) - beigefügt werden.

 

Zeit, wenn du sie hast

 

“Zeit, wenn du sie hast, wird sie dir gegeben -
wenn du sie nicht hast, wird sie dir genommen”,
sagt mir der Mönch, so bedächtig,
als sei damit alles gesagt,
was man über Zeit sagen kann.
Ich kann ihm kein weiteres Wort entlocken
- als wolle er mich nun
mit diesem Satz allein lassen.

 

Vielleicht will er mir sagen:
Fülle deine Zeit,
und du wirst sehen,
wie sie wächst
- sie wird nicht “totgeschlagen”
vor dir liegen.

 

Vielleicht will er mir sagen:
Teile die Zeit mit anderen Menschen,
sie wird Blüten tragen,
und du wirst die Früchte ernten können
- in gefüllten Körben wirst du die Zeit tragen.

 

Vielleicht will er mir sagen:
Wenn du keine Zeit hast,
zu träumen mit den Träumenden,
zu fühlen mit den Fühlenden,
wird viel gestorben sein in dir
- mitten im Leben.

 

Vielleicht will er mir sagen:
Wenn du aber Zeit hast,
zu trauern mit den Trauernden,
zu hoffen mit den Hoffenden,
wirst du das Leben gewinnen
- mitten im Leben.

 

Vielleicht will er mir sagen:
Wenn du an Feiertagen nicht feierst,
an Tagen des Suchens nicht suchst,
an Tagen der Besinnung dich nicht besinnst,
wird man dir die Tage dafür nehmen
- bevor du es merkst.

 

Vielleicht will er mich gar nicht
allein lassen mit seiner Weisheit,
sondern will still bei mir sein,
wenn dieser Satz von ganz allein
immer wieder mal in mir wirkt:

 

Zeit, wenn du sie hast, wird sie dir gegeben -
wenn du sie nicht hast, wird sie dir genommen.