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Zeit?« Wiege der Zeit »Sonnenuhr

 

Die Wiege unseres Wissens über die Zeit

Beginn der Zeitmessung und Kalendergestaltung

 

Suchen nach der Zeit

Gedicht: In die Sterne schauen

Wo ist das Paradies

Mondjahr - Sonnenjahr

Gedicht: Aberglaube

Untergang Babyloniens

Gedicht: Was bleibt

Das Motiv des Suchens nach der Zeit

 

Im Lande der Chaldäer, dort beim Hirtenvolk, liegt der Keim all unseres Wissens über die Zeit. Werfen wir einen Blick in dieses Gebiet des heutigen Staates Kuwait.

 

Das weite Land der babylonischen Chaldäer zog sich vom Persischen Meer im Süden bis zum unteren Stromlauf des Euphrat im Norden. In diesem Land entwickelte sich eine mächtige, gelehrte Priesterschaft, welche schon vor knapp 3000 Jahren die grundlegenden, noch heute gültigen Forschungsergebnisse zur Zeitmessung und Kalendergestaltung lieferte.

 

Was hat chaldäische Priesterschaft bewogen, so intensiv in den Taghimmel und den Nachthimmel zu schauen und die sich dort periodisch wiederholenden Ereignisse wissenschaftlich festzuhalten?

 

In erster Linie waren sie erfüllt von einer religiösen Neugier und suchten in den kleinen und großen Naturwundern die Spuren Gottes.

 

Die religiösen Vorschriften

Der bloße Tag- und Nachtrhythmus war darüber hinaus für die Einhaltung der vielfältigen religiösen Gesetze und Vorschriften zu grob; kleinere Zeiteinheiten mussten bestimmt werden.

 

Der wachsende Handel

Zudem gab es schon einen umfangreichen Handel auf den Schifffahrtsstrassen und Karawanenwegen, der eine geographische Orientierung an den Gestirnen und die präzise Einteilung zeitlicher Abläufe erforderte.

 

Sternbilder - Tierkreiszeichen

 

So waren es die chaldäischen Priester, die durch die Beobachtung des scheinbaren Laufes der Sonne um die Erde entdeckten, dass diese Bahn durch zwölf in gleichen Abständen stehende Sternbilder markiert ist. Sie gaben diesen Sternzeichen die Namen, die noch heute gültig sind: Widder, Stier, Zwilling, Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage, Skorpion, Schütze, Steinbock, Wassermann und Fische.

 

Sie registrierten die mit bloßem Auge sichtbaren Planeten unseres Sonnensystems, ermittelten die Reihenfolge ihrer Anordnung und erforschten ihren Lauf. Die chaldäischen Geistlichen fassten die fernsten, scheinbar unbeweglich, an den Himmel gehefteten Sterne (die Fixsterne) zu Gruppen zusammen und gaben ihnen ihre Namen. Sie errechneten die Neigung der Erdachse zur Sonnenbahn, indem sie die Jahreszeiten, die veränderlichen Tag- und Nachtlängen und wechselnden Schattenlängen eines Gegenstandes zueinander in Beziehung setzten.

 

Wir sehen, babylonischen Chaldäer hatten fast alle Geheimnisse des Alls erkannt.

 

 

Das persönliche Schicksal in den Sternen?

 

Doch nicht nur Priester und Wissenschaftler schauten in das All. Es war bei allen Menschen selbstverständlich, im klaren Nachthimmel Antworten auf Fragen nach der persönlichen Zukunft zu suchen und sich in die Ängste, Hoffnungen, Sehnsüchte ein “stilles Wort” aus der Unendlichkeit zurufen zu lassen.

 

In die Sterne schauen

 

Auch ich könnte mal wieder,
in die weite, sternenklare Nacht schauen,
um Unendlichkeit zu erahnen 
und Ewigkeit zu verspüren.

Ich könnte mal wieder,
die Sterne zählen,
fragend, wieviel Zukunft bevorsteht,
wieviel Segen sein wird,
wieviel Hoffnung ich haben darf.

 

Sternenhimmel Galaxie

 

Ich könnte mal wieder
zu den Sternen schauen,
nicht, um sie zu deuten,
aber um zu hören,
welche Antwort
aus der Stille
zu mir dringt.

 

Ich könnte mal wieder
in die Sterne schauen
und mir zurufen lassen:

 

Der Segen,
der über der ewigen Vergangenheit
und unendlichen Zukunft liegt,
gilt auch für dich.”

 

Wo war das Paradies?

 

Nördlich von Chaldäa, im heutigen Gebiet des Staates Irak, zwischen den Strömen Euphrat und Tigris, lag das riesige Reich Babylonien mit seiner Hauptstadt Babel. Ein überaus reiches Land. Das Klima, die beiden Flüsse und ein Netz künstlicher Kanäle ermöglichten eine derart fruchtbare Landwirtschaft und Gartenwirtschaft, dass wir heutzutage auf der Suche danach, wo wohl das Paradies gewesen sei, sicher sind: Hier war es.

 

Vor sieben Jahrtausenden schon begann hier die Kultur zu blühen wie die Landschaft; und die Wissenschaft brachte Früchte, von denen wir noch heute zehren. Hier wurde nicht nur sehr früh das Geld erfunden, sondern auch der Ziegelstein, mit dem mächtige Wohnbauten und Tempel errichtet wurden.

 

Der Turm von Babel

In Babel stand eines der sieben Weltwunder: Der dem Gott Baal geweihte Tempel, mit seinem 185 Meter hohen Turm. Baal, was zu deutsch “Herr” bedeutet, war die göttliche Verkörperung der Lebenskraft, die in der Fruchtbarkeit eines Landes augenscheinlich wurde. Alles Gedeihen, aller Segen hing an Baal.

 

Nachdem Babylon etwa 2000 v. Chr. von den Chaldäern unterworfen wurde und beide Völker verschmolzen, diente der Turm auch als Sternwarte - die bisherigen Forschungen der Chaldäer konnten hier erfolgreich fortgesetzt und präzisiert werden.

 

Was ist ein Tag?

Im Lande der Chaldäer und Babylonier, in den Weiten um die Stadt Ur, wurden Antworten auf diese Fragen gegeben, die noch heute unsere “Zeit” ausmachen. Bei der Festlegung des Tages lag es nahe, die Sonne als Zeitmesser zu nehmen. In dem Moment, da die Sonne am Horizont erschien, begann der Tag; er währte bis zu ihrem Untergang. (Erst viel später, zu Beginn der Neuzeit, begann man, die gesamten 24 Stunden als Tag zu verstehen.)

 

Das Mondjahr - Der Lunarkalender

 

Die Sonne macht eine Bestimmung von Tag einfach. Aber wie ist das beim “Monat” und beim “Jahr”? Welcher Zeitabschnitt ist ein Monat, welcher ein Jahr?

 

Da von einem Neumond zum anderen genau 29,5 Tage vergehen, liegt es doch nahe, die Zeit dazwischen “Monat” zu nennen. Viele asiatische Völker haben diesen Schluss gezogen. Um einen Bezug zu den vier Jahreszeiten zu erhalten, haben sie zwölf oder dreizehn dieser Monate zu einem Jahr aneinandergereiht.

 

Ein solches Jahr hatte folglich 354 oder 383 Tage. Bei dieser Festlegung des Jahres durch reine Mondmonate begann das Jahr - im Vergleich zu den natürlichen Jahreszeiten - jährlich früher (bei zwölf Monaten) oder später (bei dreizehn Monaten). Da fiel der Sommer dann auf Dauer in den Winter und auch die Termine der Fest- und Feiertage wanderten durch das Jahr.

 

Das Sonnenjahr - Der Solarkalender

 

Die Babylonier trennten sich vom “Mondjahr”. Ihr Kalender orientierte sich an der Sonne. Sie legten das Jahr mit 365 Tagen fest. So hat es sich auf der ganzen Welt verbreitet - das Mondjahr gibt es nicht mehr. Das bedeutet, dass unser heutiger Monat nur noch dem Namen nach etwas mit dem Mond zu tun hat; am Umlauf des Mondes orientiert er sich nicht mehr. Er ist durch die gleichmäßige Aufteilung des Sonnenjahres in zwölf Abschnitte entstanden.

 

Dreizehn als Unglückszahl

 

Der Aberglaube um die Zahl 13 hat in der Abschaffung des Mondjahres seinen Ursprung. Denn die Anhänger des 13monatigen Mondjahres wollten, dass ihr Mond - den sie als Gottheit verehrten - seine Stellung behielt.

 

Es entwickelte sich ein erbitterter Glaubenskrieg um die Frage: “Welcher Gott ist stärker – Sonne oder Mond?”. Schließlich wurde der Mond seiner Stellung beraubt. Die Zahl 13 gilt seither als Unglückszahl, so dass manche Völker nicht nur den 13. Monat wegließen, sondern auch bei der Zählung der Tage im Laufe des Monats von 12 gleich auf 14 sprangen.

 

Dies zeigt beispielhaft, wie die Geschichte der Kalendergestaltung und Zeitmessung gleichermaßen von getrostem Glauben und ängstlichem Aberglauben begleitet ist. Denn sie ist immer eng verbunden mit der Bewältigung menschlicher Ängste, Hoffnungen, Sehnsüchte und ist von der Suche nach dem Sinn des Lebens nicht zu trennen. Zumeist wuchs durch die Beschäftigung mit der “Zeit” der Glaube an eine allmächtige Kraft, an Gott, der stets da ist, an einen “Wegegott”, der auch die Bahnen der Menschen leitet und begleitet. Doch wo Angst die Übermacht gewann, wuchs aus der Beobachtung des Kosmos schnell Aberglaube. Sternenkult, Silvesterbräuche und unzählige seltsame “Kalenderweisheiten” zeugen davon.

 

Aberglaube

 

Keiner findet es seltsam,

dass du die schwarze Katze fürchtest,
dass du mit lauten Knallern Dämonen vertreibst

 

Keiner lacht dich aus,

dass der Schornsteinfeger deinen Tag verändert,
dass das vierblättrige Kleeblatt dir neue Hoffnung macht.

Man hofft mit dir.

 

Dass du deinem Talisman vertraust,
dass du ohne dein Maskottchen nicht leben kannst.

Man versteht das gut,

dass die 13 dir Unglück bringt,
dass in den Sternen dein Schicksal steht.

 

Man freut sich,

dass du einen Glauben hast,
du darfst ihn gerne mitnehmen in eine neue Zeit.

 

Doch, wie seltsam, wenn du hoffst,

dass ein gutes Wort heilende Wirkung hat,
dass freundliche Gedanken verändernde Kraft besitzen,
dass eine Berührung aufleben lässt.

Man schaut dich zweifelnd an.

 

Dass der Segen des allgegenwärtigen Gottes alles Gute bewirkt,
dass der Mann aus Nazareth neue Zukunft zeigt.

Man findet dich seltsam.

 

Dass die Kraft, die Himmel und Erde bewegt
dein Leben erneuert.
Dass ein Gebet deinen Tag verändert,
dass Liebe Berge versetzt.

Man rät dir, dies lieber für dich zu behalten.

 

Aber so

wird die Zukunft nicht heller sein,
als die Vergangenheit war.

 

Der Untergang dieser Hochkultur

 

Kriegerische Auseinandersetzungen mit den Nachbarvölkern über Jahrhunderte hinweg schwächten Babylonien.

 

Einen politischen und kulturellen Höhepunkt erreichte das Land später noch einmal unter dem König Nebukadnezar (605-562 v.Chr.), der den vorher durch die Assyrer zerstörten Babylonischen Turm wieder aufbauen ließ. Nebukadnezar unterwarf die Nachbarvölker Syrien, Tyrus und Juda. Er verschleppte große Teile dieser Völker in die (babylonische) Gefangenschaft, die erst durch den Perserkönig Kyros II (537 v.Chr.) beendet wurde.

 

330 v. Chr. wurde das Land von Alexander dem Großen erobert. Mehrere Völker wechselten sich dann in der Herrschaft ab, bis es 635 n. Chr. an die Araber fiel. Der heutige südliche Irak war also das alte Babylonien; das heutige Kuwait war das Land der Chaldäer. Und wenn man heute im Wüstensand vor den Überresten des babylonischen Turmes steht, die einstige Größe erahnend, drängt sich die Frage auf, was Bestand hat – über die Zeit hinweg.

 

Was bleibt?

 

Die Sterne am Himmel
leuchten auf und vergehen;
manche entdecke ich staunend neu;
andere suche ich vergeblich wieder.

 

Wie Sterne am Himmel leuchten sie auf,
mächtige Staaten dieser Welt,
stark, ruhmvoll, unüberschaubar.

 

Wie Sterne am Himmel leuchten sie auf,
die Stars und Starlets dieser Welt,
angehimmelt, blendend,
beneidet, unerreichbar.

 

Atlantis Untergang einer Hochkultur

 

Doch lass einen Takt der Zeit vergehen,
und sie sind nicht mehr da.
Wie Sterne am Himmel verblassen,
Menschen und Völker.

 

Ihre Spuren
liegen verborgen im Wüstensand.
Vergilbte Zeitschriften
wecken schwache Erinnerungen.

 

Die Zeit geht schnell dahin,
als führe sie davon,
nichts blieb von dem,
was ewig schien.

 

In solchem Glanz liegt nicht
der Sinn des Seins.
Nur wer von der Vergänglichkeit weiß,
hat die Chance, das Leben zu finden.

 

Nur wer im Leben lebendig wird,
kann nicht vergehen.

 

So lass mich nicht danach streben,
aufzusteigen zum Firmament.

 

Lass mich auf der Erde bleiben - fest.
Lass mich Versöhnung suchen - jetzt.
Lass mich das Leben finden - hier!

 

Bilder: pixabay beate bachman (Sternenhimmel) / Enrique Meseguer (Atlantis)