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Julianisch« Wasseruhren »Anno Domini

 

Wasseruhren

Wunderwerk Wasseruhr

Gedicht: Zeit stehen lassen

 

Sonnenuhren gaben die Zeit nur grob an!

 

Können Sie einen Tag oder gar eine Woche ohne Uhr verbringen? Könnten wir unser Zusammenleben ohne präzise Zeitmessung regeln? Wie haben die Menschen in der Antike ihren Tag eingeteilt?

 

Die Menschen der Antike hatten einerseits die Sonnenuhren, wie wir sie weiter oben beschrieben haben. Allerdings war es damit schier unmöglich, kurze Zeitabschnitte präzise zu messen. In geschlossenen Räumen, bei wolkenverhangenem Himmel und bei Nacht versagten diese Uhren ganz.

 

 

Bezüglich der präzisen Zeitmessung waren die Wasseruhren der Sonnenuhr weit überlegen

 

In einem geordneten Staatswesen benötigt man aber Uhren, die zu jeder Zeit die verstrichene Zeit genau angeben können. So wurden schon in grauer Vorzeit bei vielen Völkern der Welt “Wasseruhren” konstruiert. Die älteste dieser Uhren ist eine altägyptische Auslaufwasseruhr: 3500 Jahre alt. Wasseruhren waren bis ins späte Mittelalter - bis zur Erfindung der mechanischen Uhren - als genauestes Zeitmessgerät gebräuchlich.

 

 

Einfache Auslaufwasseruhren bzw. Einlaufwasseruhren

 

Die Wasseruhr macht sich das physikalische Gesetz zunutze, dass eine bestimmte Wassermenge stets den gleichen Zeitabschnitt benötigt, um aus der Öffnung eines Behälters zu fließen.

 

Die unterschiedlichen Formen der Wasseruhr waren immer nach dem gleichen Prinzip gebaut: Mindestens zwei Wasserbehälter waren übereinander angebracht. Aus einem Behälter lief das Wasser aus, der andere Behälter nahm es auf. Bei der “Auslaufwasseruhr” wurde die Zeit des Auslaufen gemessen; bei der “Einlaufwasseruhr” bestimmte die Füllung des unteren Behälters den Zeitabschnitt.

 

 

Wasseruhren als kleine oder überdimensionale mechanische Wunderwerke

 

Doch diese zunächst einfachen Konstruktionen wurden weiterentwickelt: Es wurden Markierungen an den Glasbehältern oder auf Ziffernsäulen angebracht und Zeiger wurden von Schwimmern bewegt - um nur einige technische Feinheiten zu nennen.

 

Wie bei den Sonnenuhren gab es auch bei den Wasseruhren ganz kleine und überdimensionale Ausführungen, in der Größe mehrstöckiger Wohnhäuser. Manche Wasseruhren mussten “rund um die Uhr” immer wieder gefüllt werden. Oft waren mehrere Sklaven gleichzeitig pausenlos damit beschäftigt. Der römische Staatsmann Pompeius baute im Jahre 62 v.Chr. eine monumentale Wasseruhr mit einer Ziffernsäule aus reinem Gold.

 

Als die Zeit noch floss

 

Wasser fließt in eine Schale

 

Irrtümlich erkannten spätere Generationen in den riesigen Wasseruhren nur kunstvolle Brunnenanlagen; denn es ist so schwer für unseren Geist, der an das Ticken der Uhr gewöhnt ist, zu verstehen, dass die Zeit einmal gleichmäßig, still dahinfloss - im wahrsten Sinne des Wortes.

 

Für lange Zeit, bis zu Beginn der Neuzeit, stagnierte die Entwicklung auf dem Gebiet der Zeitmessung. Und so “floß die Zeit” jahrtausendelang praktisch dahin.

 

 

Zeit stehen lassen

 

Ach, dürfte ich doch
einmal nur vergessen,
die Uhr zu stellen,
die Tage zu zählen,
an gestern zu denken,
an den morgigen Tag.

 

Ich bin wie der Sklave,
der das Wasser nachfüllt,
immer wieder, pausenlos,
gefangen von der Zeit;
gefangen von denen,
die sich fürchten,
dass die Zeit stillstehen könnte.

 

Ach könnte ich doch
einmal nur vergessen
die Uhr zu stellen,
dass Wasser nachzufüllen,
die Minuten zu zählen,
dem Vorhin nachzuhängen,
das Nachher zu bedenken,
die Zeit in Bewegung zu halten.

 

Wer hält mich gefangen?
Wer ruft mir zu,
dass ich den Tag nicht machen muss,
und nicht die Nacht,
dass ich nicht der Sand bin im Stundenglas,
der unermüdlich rinnen muss,
nicht die Unruh in der Taschenuhr,
die sich keinen Stillstand gönnen darf,
dass ich stehen darf,
still bleiben darf,
zuschauen,
verweilen,
staunen.

 

 

Die Zügel der Beredsamkeit

 

“Zügel der Beredsamkeit” nannte man die Wasseruhren. Denn, so unbekannt sie uns heutzutage sind, wurden sie im römischen Reich Jahrhunderte lang benutzt, um die Redezeit bei Gerichtsverhandlungen und Senatssitzungen zu begrenzen. In vielen anderen Kulturen hatten sie ähnliche Funktionen.

 

Foto: Pixabay CVJM-Christian Fraaß (Wasserschale)