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Die Sonnenuhr

Jakobsstab / Schattenstab / Obelisken / Taschenuhren

 

Schattenstab - Jakobsstab

Gedicht: Schuldig geworten

“Wie spät ist es?”

 

"Wie spät ist es?" - diese Frage stellt sich der moderne Mensch mehrmals täglich. “Wie hoch ist der Tag?”, lautete diese Frage bei den Hirtenvölkern des Alten Testaments. “Es ist noch hoch am Tag, es ist noch nicht Zeit, das Vieh zu sammeln. Tränkt die Schafe, und geht hin, weidet sie!”, rät Jakob im 1.Buch Mose.

 

Die Zeit floss damals noch nicht unwiederbringlich dahin; sie war hoch oder tief und täglich kehrte sie wieder.

 

 

Die älteste Sonnenuhr: Der Schattenstab

 

Schattenwurf Stab als Sonnenuhr

 

Kleinere Zeitabstände wird Jakob , der Hirte, am Schatten abgelesen haben, den sein Hirtenstab warf. Dieser Hirtenstab war ein vielseitig benutzbares Instrument: Man konnte sich darauf stützen; als einbeiniger Stuhl war er verwendbar; er half, sich wilden Tieren zu erwehren und den Weg freizumachen von Ungeziefer und Spinnennetzen.

 

Der Stab war ein unverzichtbarer Begleiter und eben auch die erste Uhr, die ein Mensch ständig bei sich hatte. Mit diesem Pilgerstab konnte man Gegenstände in weiter Entfernung “anpeilen” und ihre Entfernung zueinander abschätzen.

 

Also erhielt auch das im frühen Mittelalter erfundene, einfache astronomisches Instrument, mit dem man Entfernungen, Winkel und Höhen messen konnte, den Namen Jakobsstab. Es bestand nur aus zwei Stöcken. Um Sternenabstände zu messen, und als Navigationsinstrument in der Seefahrt diente der Jakobsstab noch bis zur Neuzeit.

 

 

Der Schattenstab - Der wahre Sonnentag

 

Der Schattenstab ist die einfachste Form der Sonnenuhr.

 

Mit seiner Hilfe erkennen wir die Grundlagen unserer Zeiteinteilung: Jede Schattenlänge des Morgens wiederholt sich am Nachmittag des Tages. Genau zwischen diesen beiden Linien liegt der Schatten, der den Mittag anzeigt - die Mittagslinie. Die Mittagslinie ist der kürzeste Schatten eines Tages. Jetzt steht die Sonne an der höchsten Stelle (im Zenit).

Stellt man den Stab in die Mitte eines Kreises, den man in 24 gleiche Abschnitte teilt, so braucht der Schatten eine Stunde, um von einem dieser Abschnitte zum nächsten zu wandern. Die Zeit von einem Sonnenhöchststand bis zum Sonnenhöchststand des nächsten Tages heißt “Wahrer Sonnentag”.

 

 

Schatten und Jahreszeiten

 

Beobachtet man die Länge des täglichen Mittagsschattens ein Jahr lang, so lassen sich die Jahreszeiten ermitteln.

 

Im Laufe des Jahres zeigt die Mittagslinie drei bedeutsame Schattenlängen, nämlich die kürzeste (zur Sommersonnenwende), die längste (zur Wintersonnenwende) und zwei gleiche, mittlerer Länge (zur Tagundnachtgleiche). Die Zeit vom kürzesten Schatten bis zur Herbsttagundnachtgleiche ist der Sommer; weiter bis zum längsten Schatten ist der Herbst; der Zeitabschnitt bis zur Frühlingstagundnachtgleiche ist der Winter; bis dann wieder der kürzeste Schatten angezeigt wird, erstreckt sich das Frühjahr. Die Zeit von einem Frühlingsanfang bis zum nächsten nennen wir “Tropisches Jahr”.

 

 

Spitzsäulen - Obelisken als Sonnenuhr

 

Der große Bruder des Schattenstabes ist die Spitzsäule, der Obelisk. Noch heute zieren solche Spitzsäulen öffentliche Plätze an vielen Orten der Welt. Alte ägyptische Obelisken, die mit viel technischem Aufwand nach Europa gebracht wurden, finden wir in London (Nadel der Cleopatra), auf dem Pariser Place de la Concorde und auf dem Petersplatz in Rom.

 

Der 25 m hohe Obelisk auf dem Petersplatz, den 39 n. Chr. Caligula aus der ägyptischen Ruinenstadt Heliopolis, der Stadt des Sonnengottes, nach Rom bringen ließ, wurde von den Römern noch viele Jahrhunderte zu Zeitmessungen benutzt.

 

 

"Taschenuhren"

 

Kleine Sonnenuhren aus Holz erfreuten sich als Taschenuhren besonders in Ägypten großer Beliebtheit. Hier war der kurze Stab auf einem Holzstück mit Zifferblatt angebracht.

 

Monumentale Sonnenuhren wurden schon lange vor Beginn unserer Zeitrechnung von vielen Völkern gebaut - z. T. mit mehreren, riesigen, in der Form und Höhe unterschiedlichen “Schattenstäben” und mit mächtigen, vielfältig geneigten und gewölbten Zifferblättern aus Stein.

 

Missionarische Überheblichkeit

 

Christliche Missionare späterer Zeiten erkannten nicht, dass diese Gebäude astronomischen Zwecken dienten. Man mochte sich nicht vorstellen, dass eine hochentwickelte Wissenschaft Anlass für diese Bauten war. Denn damit hätte man zugeben müssen, dass diese Völker des Altertums, die man überfiel, ausraubte, dahinmordete, kulturell so hoch standen.

 

Man wollte glauben, dass sie mit ihren Bauwerken nur seltsamen Göttern huldigten - so hatte man das gute Gewissen, ihnen nun den “wahren” Gott zu bringen. Bis in unser Jahrhundert unterstellte man diesen Völkern einen sehr naiven Geist. In Schulbüchern findet man noch heute diese “missionarische” Überheblichkeit, die sich durch das ganze zweite Jahrtausend unserer Zeitrechnung zieht.

 

Schuldig geworden

 

Überreste einer großen Kultur
finde ich im Wüstensand Afrikas,
in den Hochebenen Mittelamerikas,
in den Wäldern Asiens,
überall auf der Welt.

 

Zeichen einer fernen Zeit,
verkannt, vernichtet, zerstört,
dem Boden gleichgemacht, ausgelöscht.

 

Der Geist der Menschen,
die hier lebten,
liebten, hofften,
glücklich waren,
forschten und litten,
ergreift mich.

 

Betroffen frage ich
was hat mein Hochmut,
was hat meine Dummheit,
was hat mein Glaube,
was hat mein Unglaube
euch angetan?

 

Staunend erkenne ich
wie demütig,
wie weise,
wie verbunden mit der Kraft Gottes
ihr wart.

 

Beschämt gestehe ich:
Ihr lebtet so lange vor mir
und wart mir doch so weit voraus.

 

Bild: pixabay Anja / cooparisienne (Schattenstab)