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Der Tag

Was ist ein Sterntag?

Ein wahrer Sonnentag?

Ein mittlerer Sonnentag?

Gedicht: Zeit in der Hand

Was ist ein Tag?

 

Der Vierundzwanzigstundentag weist einige bemerkenswerte Besonderheiten auf. Bei genauerer Betrachtung können wir unterscheiden zwischen “Sterntag”, “Wahrer Sonnentag” und “Mittlerer Sonnentag”.

 

Der Sterntag

 

Der Sterntag entsteht dadurch, dass auch die Sterne (wie die Sonne) scheinbar am Himmelszelt wandern. Sie “umkreisen” die Erde.

 

Von dem Augenblick an, an dem ein Stern seinen höchsten Stand erreicht hat, bis zu dem Augenblick, an dem er wieder genau über dem Zenit eines Ortes steht, vergeht ein Sterntag.

 

So genau ist der Sterntag

 

Damit müsste ein Sterntag eigentlich genau so lang sein wie ein Sonnentag. Doch der Sterntag ist vier Minuten kürzer, als der durchschnittliche Sonnentag. Der Grund liegt darin, dass die Erde sich nicht nur um ihre Achse dreht, sondern dabei auch langsam die Bahn um die Sonne zieht.

 

Während die Erde sich also einmal um sich selbst dreht, ist sie schon ein kleines Stück auf der Sonnenumlaufbahn weitergewandert. Dieses Stück muss sie sich noch weiterdrehen, damit die Sonne wieder genau über dem selben Ort steht. Dazu braucht sie im Durchschnitt vier Minuten. Zwar ist sie auch in bezug auf die Sterne weitergewandert; da diese aber in so unendlicher Ferne liegen, spielt das kleine Stück keine Rolle.

 

Ein Sterntag ist also genauer als ein Sonnentag. Er misst konstant 23 Stunden, 56 Minuten und 3,5 Sekunden. In der Astronomie wird wegen dieser Genauigkeit mit Sterntagen gerechnet. Für das alltägliche Leben allerdings drängt es sich auf, nach der Sonne den Lauf der Tage zu zählen. Sie ist eben augenscheinlicher.

 

Weiter: Der wahre Sonnentag

 

Der Wahre Sonnentag

 

Von dem Augenblick an, an dem die Sonne ihren höchsten Stand erreicht hat, bis zu dem Augenblick, an dem sie wieder genau über dem Meridian eines Ortes steht, vergeht ein Sonnentag.

 

Die “Wahren Sonnentage” unterscheiden sich in ihrer Länge! Mit dieser Behauptung meinen wir nicht die Tatsache, dass - entsprechend der Jahreszeiten - vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang unterschiedlich viel Zeit vergeht. Nein, auch der “Vierundzwanzigstundentag” ist im Laufe eines Jahres unterschiedlich lang. Das sind selten genau 24 Stunden. Es sind meistens etliche Minuten mehr oder weniger; ganze sechzehn Minuten mehr oder weniger kann diese Zeitspanne ausmachen. Weil die Erde sich nicht im Kreis, sondern in der Form einer Ellipse um die Sonne bewegt, entstehen diese Unterschiede.

 

Die Entfernung zur Sonne ist manchmal weiter, manchmal näher. In Sonnennähe schafft die Erde die Umdrehung schneller als in der Sonnenferne.

 

Der Mittlere Sonnentag

 

Der “Wahre Sonnentag” war für das Leben maßgebend. Mittag war an einem Ort, wenn die Sonne ihren Höchststand erreicht hatte - in dem Augenblick also, wenn sie den Meridian des Ortes überschritt. Die Sonnenuhren markierten diesen Augenblick. Dass der Tag nur selten exakt 24 Stunden währt, war bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts niemandem ein Problem.

 

Die zunehmende Genauigkeit der Uhren führte dazu, dass man sich mit dem “Wahren Sonnentag” nicht mehr zufrieden gab. Denn wenn dieser mal kürzer oder mal länger ist, konnten die Uhren nicht genau gehen, so präzise man ihr Laufwerk auch konstruierte. Daher legte man den “Mittleren Sonnentag” fest.

 

Der Mittlere Sonnentag ist der Durchschnitt zwischen allen unterschiedlich langen Tagen des Jahres. Der “Mittlere Sonnentag” ist unser Vierundzwanzigstundentag. Er wurde 1780 in Genf, 1792 in London, 1810 in Berlin, 1816 in Paris eingeführt und gilt schon längst auf der ganzen Welt.

 

Wenn wir erwarten, dass die Sonne pünktlich um 12 Uhr am höchsten steht, so kann das seither nicht mehr stimmen; denn der “Mittlere Mittag” unterscheidet sich entsprechend vom “Wahren Mittag” – bis zu 16 Minuten kann der Unterschied betragen.

Es ist also ein Durchschnittswert, den unsere Uhren um zwölf Uhr Mittags anzeigen. Sie richten sich nach einer ”Durchschnittssonne”, der sogenannten “Mittleren Sonne”.

 

Zeit in der Hand

 

”Wohin ich auch reiste”,
sagte die alte Frau,
ӟberall begegnete ich ihnen,
den Menschen, die wie ich verzweifelt
versuchten, mit der Zeit umzugehen.

 

Und so habe ich - manchmal allein,
manchmal zu zweit, zu dritt oder mit vielen -

die Zeit gesucht, gewonnen und verloren,
die Zeit gegeben, genommen und vertrieben,

Zeit gehabt zum Hassen und zum Lieben,
die Zeit verschenkt, vergeudet und gestohlen,
die Zeit geopfert, geschunden und totgeschlagen,

Zeit gehabt, zum Singen und zum Klagen.

 

Überall begegnete ich ihnen,
den Menschen, die wie ich verzweifelt versuchten,
mit der Zeit umzugehen.

 

Nun möchte ich
dem Menschen begegnen,
der sie mit mir, ganz einfach nur
in Gottes Hand zurücklegt”.